Helmkampagne BMVI #dankhelm – Kommentar und Auswertung

Fahrradfahrerin beim Fahrradurlaub

Unter Radfahrern ist das Tragen von Helmen oft mit einer Grundsatzdiskussion verbunden. Bei kaum einem anderen Thema gibt es eine deutlichere Aufspaltung in zwei Lager. Jede Seite hat seine Gründe und natürlich auch Argumente, wieso es sinnvoll ist keinen Fahrradhelm bzw. einen Fahrradhelm zu tragen.

Es gibt immer wieder Initiativen vom Bund, mit denen versucht wird, das Thema Fahrradhelme in aktuelle Debatten einzubringen. Prozesse die sich mit dem Thema Helmpflicht beschäftigen und bis vor den BGH nach Karlsruhe ziehen sowie Kampagnen von Ministern lassen die Frage nach einer Helmpflicht aufkommen.

Es folgt ein Kommentar zur Kampagne #dankhelm und dem Verhalten auf unseren Straßen.

Die neuste Kampagne von Herrn Minister Dobrindt endete am 31.05.2015 und wurde maßgeblich über den Social-Media-Kanal Twitter durch das Dorf getrieben. Unter dem Hashtag #dankhelm konnte jeder der mitmachen wollte und sich vor dem Plakat der Kampagne fotografieren ließ, eine Nominierung für eine Einrichtung abgeben, die von mindestens 1000 Fahrradhelmen anteilsmäßig profitieren sollen. Dabei sollte man nur die Einrichtung im Tweet benennen und den Hashtag #dankhelm hinzufügen. Bild vor dem Darth Vader Plakat nicht vergessen und schon war die Nominierung fertig. Nach BmVI Informationsseite sollten die Vorschläge in die Richtung von Kindereinrichtungen wie Grundschulen und Kitas gehen.

Dankhelm-StarWars_Darth_Vader
Quelle

Bezüglich dieser Kampagne wurde dem BmVI seitens Fahrradmagzin.net eine schriftliche Anfrage zum Verlauf der Kampagne, zur Teilnahme und Verteilung der Helme vorgelegt. Sobald wir eine Antwort auf die von uns gestellten Fragen haben, werden wir darüber berichten. Immerhin interessiert uns, ob die 1,5 Millionen Euro mehr und die Investition der Kampagne gut angelegt wurden.

Was war der Sinn und Zweck dieser Social-Media-Kampagne?

Die Kampagne sollte dazu dienen, mehr auf das Thema Helm hinzuweisen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BmVI) möchte mehr Sicherheit auf die Straßen bringen. 1,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, eine Investition mit der man wieder vorzeigen kann, man kümmert sich um die Sicherheit der Radfahrer und diese sind im Autoland Germany nicht egal – auf dem Papier.

Fahrradstraße in Celle

Die grundlegende Frage ist jedoch, ob das Tragen eines Helms auf den Straßen für mehr Sicherheit sorgt. Wer glaubt, mit einer Helmpflicht oder mit dem Tragen von Fahrradhelmen mehr Sicherheit in den Straßenverkehr bringen zu können, der würde auch die Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.

Es kann nicht das Ziel sein, mit einem gegenseitigen Wettrüsten der Sicherheitseinrichtungen die Defizite der Verkehrstoleranz auszugleichen. Aufklärung und Toleranz sind das oberste Ziel, wenn es um Sicherheit geht. Bildung, Einsicht und gegenseitiges Verständnis müssen das langfristige und nachhaltige Ziel jeder Kampagne für die Sicherheit im Straßenverkehr sein.

Es ist sicherlich nicht falsch zu sagen, dass ein Fahrradhelm bei Stürzen vor Kopfverletzungen schützen kann. Oberste Priorität muss es jedoch sein, diese Stürze zu verhindern. Autofahrer, Fußgänger als auch Radfahrer müssen über die jeweiligen Gefahrenquellen informiert werden. Ein tolles Beispiel für eine solche Aufklärung ist eine Aufklärungskampagne zum „Toten Winkel von LKWs“. Wir haben im Juni 2014 den Round Table bei seiner ehrenamtlichen Aktion begleitet. Zahlen zu Fahrradtoten und Verkehrsunfällen mit Fahrradbeteiligung müssen sinken.

Fehlverhalten durch Unwissenheit

Verkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung entstehen nicht selten durch das Übersehen bei Abbiegevorgängen oder bei zu dichten Überholmanövern mit zu geringem Sicherheitsabstand. Der Sicherheitsabstand sollte 1,5 Meter beim Überholen von Radfahrern betragen. Kann man diese 1,5 Meter nicht einhalten, ist nicht zu überholen. Leider halten sich nur die wenigsten daran. (Siehe das Urteil vom OLG Hamm, Az. 9 U 66/92)

In der Veröffentlichung vom BGH, Verkehrsmitteilungen 1967, 9 wurde seiner Zeit bereits auf das Überholen eingegangen. Es ist also davon auszugehen, dass es sich um Nötigung oder Gefährdung handelt, sobald sich der Überholende gefährdet fühlt oder mit einer Fehlreaktion reagiert, die unmittelbar mit dem Überholvorgang zusammenhängt. Das Überholen selbst ist dabei im § 5 der StvO geregelt.

Deutschland ist ein Land der Regularien, Vorschriften und Gesetze

Der Straßenverkehr ist alles andere als ein rechtsfreier Raum. Hier hat man sich an Regeln zu halten. Eine typisch deutsche Haltung. Wer z.B. mal in Thailand war, wird eindrucksvoll erlebt haben, wie Fahrradfahren und Autofahren harmonieren kann. Bei uns im Land wird die Integration der Fahrradfahrer in den Straßenverkehr noch ein steiniger Weg. Dem Deutschen ist sein Auto lieb. Alles was zur Einschränkung oder Veränderung beim Autofahren führt, wird kategorisch abgelehnt. Leider ist dies auch der Grund, wieso aus der Politik nur vorsichtig bei dem Thema verändert wird. Keiner möchte sich in Zeiten von schwindenden Wahlbeteiligungen an ein Thema setzen, das unangenehm enden kann.

Kein Generalverdacht für Autofahrer und Fahrradfahrer

Es gibt auf beiden Seiten schwarze Scharfe. Es gibt den Autofahrer, der vom Radverkehr genervt ist und der sich einen Spaß daraus macht, Radfahrer zu erschrecken, knapp zu überholen, zu schneiden und durch sein Fahrverhalten zu nötigen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch den Radfahrer, dem der Autoverkehr so widerstrebt, dass er auch gezielt Jagd auf PKWs macht. Provokant auf der Straße, rote Ampeln ignorieren oder den Stinkefinger zeigt.

Für die Zukunft

Ziel sämtlicher zukünftiger Kampagnen muss eine gegenseitige Aufklärung sein. Nur wenn gegenseitiges Verständnis und Kenntnis über die Belange des Anderen vorliegen, kann ein gemeinsamer Straßenverkehr harmonisch und miteinander, nicht gegeneinander, funktionieren.

– Kommentar Ende –

Interview mit dem BMVI und Auswertung der Kampagne #dankhelm

Dies sind die Fragen, die wir dem BMVI gestellt haben:

  • Wie viele Helme sind am Ende wirklich an wie viele Einrichtungen gegangen?
  • Wie viele Personen haben Teilgenommen?
  • Trägt Herr Minister Dobrindt selbst einen Helm wenn er mit dem Fahrrad unterwegs ist (in seiner Freizeit)
  • Um was für Helme handelt es sich bei den gespendeten Helmen, Marke, Modell, Ausführung?
  • Wieso lief die Kampagne nur so kurz, veröffentlicht wurde, nach Ihrem Artikel, das Plakat beim Nationalen Radverkehrskongress (18-19 Mai 2015). Einsendeschluss war jedoch schon am 31.05.2015
  • Ist es richtig, dass eine vorgeschlagene Einrichtung mindestens 100. Vorschläge haben muss um an der Verslosung teilgenommen zu haben?
  • Wonach schlüsselt sich die Verteilung der Fahrradhelme auf?
  • Wie hoch war der finanzielle Aufwand für die Kampagne?
  • Was waren die definierten Ziele dieser Kampagne?

Dies sind die Antworten, die wir von der Pressestelle des BMVI bekommen haben

Ihre Fragen beantworten wir im Sachzusammenhang:

Ein Fahrradhelm kann Leben retten. Der Fahrradhelm liegt zunehmend im Trend, es könnten aber noch mehr Radfahrerinnen und Radfahrer einen Fahrradhelm tragen. Das BMVI hat deshalb das Ziel, die Helmtragequote weiter zu steigern. Mit der Kampagne wollten wir die Aufmerksamkeit auf die lebensschützende Funktion des Fahrradhelms lenken, eine Debatte darüber auslösen und Menschen dazu animieren, beim Radfahren freiwillig einen Fahrradhelm zu tragen. Dies ist auch in seiner Freizeit ein Anliegen des Bundesverkehrsministers.

Disney hat die Rechte für diese Figur kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die aktuelle Darth-Vader-Plakataktion lagen bei rund 50.000 Euro (Projektmanagement, Produktion sowie Klebekosten). Es entstanden keine Kosten für Medialeistungen, da die Firma Ströer als langjähriger Kooperationspartner der Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ die Flächen für den Plakatierungszeitraum der Kampagne unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Die Laufzeit des Gewinnspiels orientierte sich am Plakatierungszeitraum. Das Bundesverkehrsministerium hat sich angesichts der großen Resonanz der Kampagne entschieden, alle Einsendungen zu berücksichtigen, die die vorgegeben Kriterien erfüllt haben!

Kinder in ganz Deutschland können sich nun zum Start der Sommerferien über neue Helme freuen. Mit dabei sind rund 100 Schulen, Kitas und Jugendgruppen aus der ganzen Republik, z.B. aus Berlin, Dresden, München, Bottrop, Neuruppin, Tübingen oder Hamburg. Die Gewinner erhalten Helme einer Firma mit Sitz in Deutschland und hohen Qualitätsstandards.

Resonanz der Darth-Vader-Aktion:

  • Die Darth-Vader Kampagne für das Helmtragen beim Radfahren waren schon in den ersten Tagen eine Erfolgsgeschichte: Bei Twitter wurde der Hashtag #dankhelm bisher über 7,2 Millionen Mal angesehen. Rund 3700 Tweets haben sich damit beschäftigt.

Umfassende Berichterstattung in Online- und Printmedien (nicht abschließend):

  • 160 Medien Onlinemedien,
  • 163 Medien aus dem Printbereich
  • Selbst hollywoodreporter.com, eine der reichweitenstärksten Websites der USA, hat über die Plakataktion berichtet (120 Millionen Online Visits pro Monat)

Die Gesamtreichweite der Aktion beläuft sich derzeit auf:

  • 2,3 Milliarden Online-Visits/Monat
  • 52,7 Millionen Print
  • 2,6 Millionen Radiohörer
  • 1,6 Millionen TV-Zuschauer
  • Zeitweilig lagen die Treffer zur Kampagne auf google.de noch vor der offiziellen StarWars-Seite (Suchbegriff Darth Vader)
  • Die Kampagne wurde weltweit aufgegriffen in 14 Ländern: Österreich, Niederlande, Spanien, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Schweiz, Türkei sowie USA, Peru, Argentinien, Mexiko, Venezuela und Chile

Wir bedanken uns beim BmVI für die schriftliche Stellungnahme. Auch wenn einige Fragen offen geblieben sind, sind die Pressezahlen sehr interessant zu lesen. Darth Vader wird aktuell von einem Stormtrooper (Sturmtruppler) abgelöst.

Es wäre wünschenswert, wenn in der Zukunft Kampagnen zum friedlichen Umgang im Straßenverkehr und gegenseitiger Rücksichtnahme von Autofahrern und Radfahrern folgen würden. Wir denken, die bestmöglichste und höchste Sicherheit wird nur durch Aufklärung geschaffen.

Natürlich freuen wir uns für alle Kitas, Schulen und andere Einrichtungen über die gewonnenen Fahrradhelme, dies steht außer Frage. Kennt ihr eine Schule oder eine Kita die von der Aktion profitiert? Schreibt es uns gerne als Kommentar.

Quellen:

 

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1 Kommentar

  1. „Es wäre wünschenswert, wenn in der Zukunft Kampagnen zum friedlichen Umgang im Straßenverkehr und gegenseitiger Rücksichtnahme von Autofahrern und Radfahrern folgen würden.“

    Ist Euch das auch aufgefallen?
    Die werben mit Generälen (Darth Vader) und Soldaten (Sturmtruppen, ein Schelm, wer da an Nazis denkt) für einen friedlichen Umgang miteinander?

    Man muss wohl schon einen sehr eingeengten Denkhorizont #DankHelm haben um das zu verstehen…

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